Vulkan Ijen – Sternenhimmel trifft auf blaues Feuer

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Auf dem Vulkan Ijen hatte ich das Glück einen wunderschönen Sternenhimmel zu sehen und in der Tat, auch das blaue Feuer. Ich kann dir sagen, es war atemberaubend. Das letzte mal habe ich so einen Sternenhimmel auf dem Mauna Kea auf Hawaii gesehen. Aber der Sternenhimmel war nicht das einzige High Light auf der Tour zum Vulkan Ijen.

Seit meiner Ankunft im Juni 2017 auf Bali, wollte ich nach Java auf den Vulkan Ijen. Der richtige Zeitpunkt war endlich da, und die passenden Mitreisenden auch. In Canggu in meinem Homestay, habe ich Claus und Martin kennengelernt und beiden vom Vulkan Ijen erzählt. Im Homestay haben wir, wie fast jeden Abend überlegt, ob wir ausgehen oder nicht. Diesmal war mein Wunsch, wenn wir nicht ausgehen, geht es morgen auf den Ijen. Claus als Chemiker musste nicht lange überzeugt werden und Martin mit seiner leichten und spontanen Art auch nicht. Also ging es für mich an die „Arbeit“. Über verschiedene Facebook-Gruppen habe ich uns einen Fahrer für den nächsten Tag gesucht.

Gasmasken sind ein muss auf dem Ijen
Gasmasken sind ein muss auf dem Ijen

San und Marco vom leichtesgepäck.de haben mir empfohlen, von Canggu nach Permuteran zu fahren, und von dort aus eine(n) Tour/Guide zu buchen. Die Unterkünfte sind auch sehr günstig in Permuteran. Am Anfang meiner Reise, habe ich dort für ca. 6 Euro übernachtet.

Also war meine Anfrage über verschiedene Facebook-Gruppen, dass ich einen Fahrer von Canggu nach Permuteran benötige. Über Nacht habe ich einige Angebote erhalten und mir das beste Angebot rausgesucht. So ist zumindest der Plan gewesen. Und wozu sind Pläne da?

Na gut, wir sind bei der Abfahrtzeit geblieben. Diese war 13.30 Uhr. Putu – der Name steht für erstgeborener war pünktlich und der Fahrt stand nichts mehr im Wege. Putu konnte sehr gutes englisch sprechen und war somit schnell ein Teil unserer Reisetruppe. Ich erzählte Putu von unserem Plan, dass wir nach Permuteran wollen, uns dort einen Guide suchen und über Nacht auf den Ijen wollen. Wie es auf Bali so ist, hat mir Putu sofort seine Hilfe angeboten. Er kennt jemanden, der wiederum einen kennt, der einen Guide kennt. Und fragte mich, ob er ein bisschen rumtelefonieren soll. Putu hat sich sofort an die Arbeit gemacht und der Guide war gefunden. Ich fragte dann auch Putu, ob er Interesse hätte, in Permuteran zu übernachte, bei Freunden oder Verwandten, um uns am nächsten Tag wieder nach Canggu zu fahren. Und so entstand eine Idee nach der anderen.

Ich habe mir alle Ideen durch den Kopf gehen lassen. Claus und Martin sagten mir, ich soll entscheiden und so wird es dann gemacht. Sind die Jungs nicht super?

Bis zum Gebets-Stop habe ich mir Zeit gelassen. Bei einer längeren Fahrt, hält jeder Fahrer an einem Tempel an um zu beten . Martin und Claus sind mit Putu mit und haben ihre Reiskörner auf der Stirn abgeholt. Gesegnet und mit viel Glück ging es dann weiter.

Da ich ich die Entscheidung treffen musste, habe ich mich, aus heutiger Sicht, für die beste entschieden. Putu und sein Auto kommen mit auf die andere Insel. Preis war ausgehandelt und Putu überglücklich. Er war noch nie auf dem Vulkan Ijen und wollte mit uns den Aufstieg wagen. Warme Sachen konnte er sich über den Guide organisieren.

Putu telefonierte dann weiter mit seinen Bekannten, und somit war die Unterkunft auch gebucht.

In Gili-Manuk angekommen, stand die Fähre auch schon da und wir mussten nur noch auf die Fähre fahren.

Von Bali aus, dauert die Überfahrt ca. 30 Minuten. Wir sind gleich hoch auf’s Deck und konnten Java schon sehen. Voller Vorfreude sassen wir 4 auf Deck in der ersten Reihe und genossen den Ausblick. Bis zu dem Moment wo die Tür vom LKW neben Putu’s Auto aufging. Wir mussten alle runter schauen und ich musste den Jungs leider sagen, dass der LKW-Fahrer für einen Mann, einen wirklich großen Hintern habe. Kaum ausgesprochen, gab es ein riesen Krachen, kein schönes Krachen, schlimmer als wie beim Weisheitszahn ziehen – ich schaute nur noch zu Putu rüber und sagte ihm „He has broken your mirror his ass“ und es tut mir Leid – ich musste lachen…..sehr viel lachen. So, wie ich jetzt bei schreiben lachen muss. Putu ist dann runter und hat den LKW-Fahrer gesagt, dass er sein Autospiegel kaputt gemacht habe. Der LKW-Fahrer meinte zu Putu „sag das nicht mir, sage das meinem Hintern“. Und somit war das Eis gebrochen. Komischerweise hatte der LKW-Fahrer sofort Sekundenkleber zur Hand. Tja! Der Spiegel wurde angeklebt, Kontaktdaten ausgetauscht und wir waren alle wieder happy. Im Auto und auf der restlichen Reise war dies unser „Running-Gag“.

Ein paar Stunden vor dem Aufstieg auf dem Ijen
Auf der Fähre von Bali nach Java
Ein paar Stunden vor dem Aufstieg auf dem Ijen
Po trifft auf Aussenspiegel

Am Abend erreichten wir ein Homestay – was erst zum Homestay wird, wenn Gäste da sind. Dann räumt die Familie ihre Zimmer und wir konnten dort schlafen. 1 Zimmer für die Jungs und ein Zimmer für mich. Das Plumpsklo haben wir uns geteilt.

Wir wurden von der Familie sehr herzlich empfangen und fühlten uns gleich sehr wohl. Von der langen Anreise haben wir einen grossen Hunger mitgebracht und wollten noch vor dem Aufstieg was essen. Also haben wir unsere Homestay-Mama eingepackt und sind mit ihr in ein sehr gutes Warung was sie uns empfohlen hat.

Stunden vor dem Ijen-Aufstieg
Abendessen in Java

Mit vollem Bauch ging es dann wieder zum Homestay und dann auch ins Bett. Uns blieben nur noch 2 Stunden Schlaf bis zum Aufstieg. Ich konnte kein Auge zu machen und war auch 1 Stunde zu früh dran. In Java liegt die Zeit um 1 Stunde zurück.

Um Mitternacht war der Guide pünktlich da und hat uns abgeholt. Alle warm eingepackt sind wir dem Guide bei totaler Dunkelheit hinterher gefahren. Wir sind ca. 20 Minuten zügig gefahren und waren noch vor Einlassbeginn da. So konnten wir noch was warmes trinken und ein paar Fotos mit den Arbeitern vor Ort machen.

Photobomb inklusive
Warmer Kaffee vor dem Ijen-Aufstieg

Den nächsten Tipp den ich von San und Marco vom leichtesgepäck.de bekommen habe, dass wir uns unbedingt einen Guide nehmen sollten. Allein aus dem Grund, nicht in der langen Schlange vor der Schranke warten zu müssen. Und so war es auch – wir sind an der Schlange vorbei, haben unser Ticket gekauft, und sind rein. Somit konnten wir die Wanderung für uns in Ruhe geniessen. Sofern man sie die Steigung auf dem Vulkan geniessen konnte. Es geht steil Berg auf und zum Teil wird es sehr steinig. Aber dann, dieser Moment wo man hoch schaut, steil Berg auf und diesen wunderschönen Sternenhimmel sieht, die Zeit bleibt für einen Moment stehen, und mit jeden Schritt, hat man das Gefühl, man läuft genau in den Sternenhimmel rein. Wir mussten immer wieder stehen bleiben und diesen Moment für uns einfangen. Wir hatten alles dieses eine Gefühl – das muss der „Way to heaven“ sein. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut wenn ich an diesen Sternenhimmel denken muss.

Sternenhimmel auf dem Vulkan Ijen
Sternenhimmel auf dem Vulkan Ijen

Der Ijen der 2800 m hoch ist, hat aber noch viel mehr zu bieten. Auf dem Ijen befindet sich ein Kratersee dessen Basisdurchmesser 75 km beträgt. Dieser ist nur von kahlen Wänden eingeschlossen. Manch Geologe und Mineraloge bezeichnet den Kawah Ijen, als „das größte Säurefass der Erde“.

Kratersee auf dem Vulkan Ijen
Kratersee auf dem Vulkan Ijen

Darüber hinaus, kann man in der Nacht, den Schwefelarbeitern beim Schwefelabbau zuschauen. Gleich daneben sieht man dann auch das blaue Feuer. Das blaue Feuer entsteht durch das verbrennen des Schwefel bei 500 Grad. Der Schwefel brennt dann mit einer blauen Flamme, dies wird meist mit blauem Lava verwechselt.

Schwefelabbau auf dem Vulkan Ijen
Schwefelabbau auf dem Vulkan Ijen
Schwefelabbau auf dem Vulkan Ijen
Blaues Feuer auf dem Vulkan Ijen

Bereits beim Aufstieg, kommen einem die ersten Schwefelarbeiter entgegen. In ihren Körben, tragen sie ca. 100 kg Schwefel auf ihren Schultern. Und das nur in Gummistiefeln und mit keiner Taschenlampe oder Gasmaske. Ich war und bin einfach nur sprachlos gewesen. Kann diesen Moment auch nicht wirklich in Worte fassen. Der Aufstieg vom Krater ist sehr steinig. Und das mit 100 kg auf den Schultern und das bei diesen giftigen Gasen und sehr starkem und kalten Wind. Ich glaube die Lebenserwartung der Schwefelarbeiter, liegt bei ca. 40 Jahren.

Schwefel auf dem Vulkan Ijen
Schwefel auf dem Vulkan Ijen
Arbeiter auf dem Vulkan Ijen
Arbeiter auf dem Vulkan Ijen

Wir hatten gutes Schuhwerk und eine gute Gasmaske dabei, nichts desto trotz, brennt einem der Schwefel so stark in den Augen, dass man sich nur noch runter beugen sollte, Augen schliesst und die Gasmaske an sein Gesicht gedrückt hält. Auch durch die gute Gasmaske musste ich zum Teil sehr stark husten. Dafür musste ich meine gute Krankenversicherung aber nich in Anspruch nehmen.

Eine gute Gasmaske ist auf dem Ijen SEHR zu empfehlen

Dann war da noch der sehr kalte und sehr laute Wind. Ein Wind, der sich so anhört, als würden immer wieder neue Wellen brechen. Ich glaube ich habe in meinem Leben, noch nie so einen lauten Wind gehört. Alles irgendwie einzigartig – einzigartig dort oben gewesen zu sein.

Ich dachte, der Aufstieg war das anstrengendste, aber zum Krater geht es im dunkeln weiter und sehr steinig und sandig steil runter. Im Krater bauen die Schwefelarbeiter den Schwefel ab.
Schwefelwasserstoff tritt aus dem Vulkan aus und bildet in Verbindung mit Luft beim abkühlen flüssigen Schwefel. Wenn es weiter abkühlt, wird der Schwefel fest und die Arbeiter können das in Broken für die Körper zerschlagen. Nur wenn es zu heiß wird, fängt der Schwefel an zu brennen und es entsteht die blaue Flamme.

Das blaue Feuer auf dem Vulkan Ijen

Ich kann euch sagen, was für ein Naturwunder.

Zum Sonnenaufgang habe ich mich auf dem Weg zum Auto gemacht. Mir war kalt und der Wind hat ziemlich viel dazu beigetragen. Unten angekommen, habe ich erst auf Putu gewartet, und gemeinsam im Auto haben wir durchgefroren noch ca. 1 1/2 Stunden auf die Jungs gewartet. Mit noch mehr Fotos im Gepäck als ich. Tja, das muss man erstmal schaffen. Aber das warten hat sich gelohnt. Die Fotos sind wunderschön und wurden mit mir geteilt.
Ich war ziemlich durchgefroren und die Erkältung blieb daher nicht aus.

Sonnenaufgang auf dem Vulkan Ijen
Sonnenaufgang auf dem Vulkan Ijen

Als die Jungs da waren, sind wir nochmal zum Homestay gefahren. Unsere Gastmutter hat sich sehr gefreut, dass uns das Essen am Vorabend bei Ihren Freunden so gut geschmeckt hat. Putu hatte daher den Auftrag, uns nach der Wanderung auf dem Ijen nochmal zum Gasthaus zu bringen. Sie wollte noch unbedingt Nasi Goreng für uns kochen. Und ich kann euch sagen, das war super lecker.

Gut gestärkt und total übermüdet haben wir uns dann wieder auf dem Weg nach Canggu gemacht. Martin und ich habe uns gleich für die Rückbank gemeldet. Claus war noch fit und hatte den Auftrag Putu wach zu halten. Wie 2 Babys haben Martin und ich auf der Rückbank geschlafen. Als die Müdigkeit vorne bei Claus und Putu zu stark wurde, haben wir eine kleine Pause, mit einem schönen Blick auf die Reisfelder eingelegt. Die Fahrt von ca. 5 Stunden hat sich richtig gezogen. Puh, wir waren alle froh in Canggu angekommen zu sein. Ich wollte nur noch unter die Dusche und ins Bett. Und was sagt Putu uns? Er muss noch einen Fahrgast in Sanur abholen!

Die Jungs waren auch noch sehr fit – als ich schon längst von dem tollen Sternenhimmel geträumt habe, kam nur: Nasi, lebst du noch? Nasi, war fix und alle. Tja, was soll ich sagen, ich werde alt.

Für mich war das ein wunderschöner Trip mit den besten Österreichern und Putu. Putu war so glücklich und hat mir nochmal eine sehr liebe Nachricht geschrieben. Ja, dafür ist das hier alles Wert. Ich bin glücklich – wie lange nicht mehr. Die Sterne leuchten nicht nur im Himmel, sie leuchten jeden Tag in meinen Augen.

Ich bereue keinen einzigen Tag seit meinem Ausstieg am 04. Juni 2017.

Danke für den schönen Ijen-Aufstieg
Danke für den schönen Ijen-Aufstieg

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2 KOMMENTARE

  1. Liebe Nassira,
    das ist ein ganz toller Bericht. Nicht nur, dass du endlich den Vulkan besteigen konntest und dort so viel gesehen hast. Was mich ganz besonders beeindruckt, ist die Tatsache, dass die ganze Organisation so gut geklappt hat, sich alle gut um euch gekümmert haben und ihr eurem Fahrer auch ermöglichen konntet, mit euch zu wandern – total genial!

    Viele liebe Grüße
    Magalena

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